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Feeling Manuscripts

Mimi Sheffer, Sopran - Ofra Yitzhaki, Klavier - Hannah Kleiber, Schauspielerin

Samstag, 15.7.2017 18:00 – 19:15 St. Elisabeth, Konzert 19:15 – 19:45 St.Elisabeth, Künstlergespräch

Feeling Manuscripts 
 
Die Lieder des Programms „Feeling Manuscripts“ sind zwei Mal in Vergessenheit geraten: Erst hat Nazi-Deutschland sie verbannt, dann haben auch Israel und der im Exil lebende Komponist Paul Ben-Haim sie nicht länger aufgeführt. Noch in seinem Heimatland Deutsch-land hatte der Komponist fast 80 Kunstlieder zu Texten von Hofmannsthal, Nietzsche, Morgenstern, Storm und Lautensack geschrieben. Wer seine Musik und seinen Lebensweg kennenlernt, nähert sich damit der Geschichte einer ganzen Generation. Sie nimmt ihren Anfang in den frühen Liedern mit dem Einfluss von Mahler und Strauss, Berg und Hindemith und setzt sich später mit der Entwicklung des eigenen Ben Haimschen „mediterranen Stils“ fort. 

Die Sopranistin Mimi Sheffer und die Pianistin Ofra Yitzhaki – beide auf die Musik Ben-Haims spezialisiert – haben die Stücke, die zum Teil nur als handschriftliche Manuskripte in Archiven auffindbar waren, neu notieren lassen und die dramatischen Miniaturen bei Deutschlandradio eingespielt: Mit ihrer Programmauswahl decken sie ein weites stilistisches Spektrum an Liedern ab, die emotional sowie stilistisch sehr anspruchsvoll sind, und in einer Zeitspanne von 30 Jahren komponiert worden sind. Die Lieder geben der Frau in bestimmten Lebenssituationen eine Stimme: Sie greifen Themen wie Kinderlosigkeit, das Verlassenwerden und Gewalt auf; aber auch traumgleiche Erlebnisse – wie etwa, die Geliebte zu sein. Mit den letzten Stücken des Programms schließt sich ein Kreis: Ben-Haim schrieb sie in seiner neuen Heimat nach drei Jahren musikalischen Schweigens zu Texten israelischer Dichterinnen im neuen „Mediterranen Stil“. Die Gedichte werden von Schauspielerin Hannah Kleiber vorgetragen. Projektionen von Fotografien, Textdokumenten und Briefen aus dem Leben Ben-Haims werden in die künstlerische Darbietung mit eingewoben. 
Im Programm

 

Lieder von Paul Ben-Haim (Frankenburger) zu Gedichten von:

Hugo von Hofmannsthal (1874–1929) Im Grünen zu singen - 3 Lieder (1915)

• Hörtest du den nicht hinein
• War der Himmel trüb und schwer • Die Liebste sprach

Theodor Storm (1817–1888) Lied des Harfenmädchens (1920)

• Elisabeth (Meine Mutter hat‘s gewollt)

Heinrich Lautensack (1881–1919)
Für das Altbayerisch Puppenspiel (1923)

• Das Lied der frommen Bäuerin am Herd

Friedrich Nietzsche (1844–1900) 2 Lieder (1917)

• Venedig
• Der Tag klingt ab

Hugo von Hofmannsthal (1874–1929) Vier Lieder (1915)

• Vorfrühling • Reiselied
• Die Beiden • Dein Antlitz

Lea Goldberg (1911–1970)
Litmunat Imi, Das Bild meiner Mutter (1939)

Rachel, Akara, Die Unfruchtbare (1939) Aus dem Hohen Lied, 3 Lieder (1939)

• Ani Havazelet HaSharon, Ich bin eine Blume zu Scharon und eine Rose im Tal

• Smolo tachat roschi, Seine Linke liegt unter meinem Haupt, und seine Rechte herzt mich

• Kol Dodi hine se ba, Da ist die Stimme meines Freundes! 

Christian Morgenstern (1871–1914) 4 Lieder (1920)

• Hochsommernacht

  • Der Morgen war von dir erfüllt

  • Es ist Nacht

  • Nimm an, es gäbe einen Himmelsherrn 

Mimi Sheffer

 

„Sie hat das Wort völlig zurückgenommen in den Klang, den Text (nicht deklamiert, sondern) in reinen, stillen Gesang aufgelöst. Ihr Gehalt zerging völlig in Stimmung", schrieb einmal die Berliner Zeitung über Mimi Sheffer. Die Sängerin wuchs in Israel auf, erhielt ein Stipendium der America-Israel Cultural Foundation und gewann den Kol Israel-Wettbewerb. Ihr Gesangsstudium been-dete Sheffer bei Joan Caplan in New York. Musikalischer Schwerpunkt der Sopranistin ist die Wiederbelebung der Kunstmusik jüdisch-europäischer Komponisten, die sie in erfolgreichen CD-Aufnahmen wieder zum Leben erweckt. Seit 1999 lebt sie in Berlin und konzertiert euro-paweit mit diversen Konzertprogrammen aus Klassik und Liturgie. Als Solistin trat sie u. a. in der Kölner Philharmonie, mit dem Essener Opernchor und den Berliner Symphonikern auf. Seit 2014 ist sie Künstlerische Leiterin des Vereins KOL - Jüdische Musik beleben und er-leben e.V., mit dem sie drei erfolgreiche Projekte, „Die jüdische Musikreihe für Liebhaber und Neugierige“, die „CD-Reihe Cilia“ und „Davidsharfe – Workshops für die Weitergabe jüdischer Musik“ ins Leben rief. Sheffer ist außerdem die Gründerin und Künstlerische Leiterin des Fes-tivals NEW LIFE. 

 

Ofra Yitzhaki 

 

Das New York Magazine beschrieb sie als „sensationell“, der Tagesspiegel als „körperlich, sinnlich, ekstatisch“: Die in Israel geborene Ofra Yitzhaki studierte an der Jerusalem Musik Akademie und erhielt ein Vladimir Horowitz-Stipendium an der renommierten Juilliard School in New York. 2006 promovierte sie über das Thema Israelische Klaviermusik in historischer Perspektive. Yitzhaki gastiert mit einem Repertoire, das von Bach und seinen Zeitgenossen bis zu den Komponisten ihrer eigenen Generation reicht, auf allen großen Bühnen der Konzertwelt – u.a. beim Klavierfestival Ruhr, in der Carnegie Hall, im Lincoln Center, dem Chicago Cultural Center und der National Theater and Concert Hall Taiwan. Bis heute sind jedoch Werke zeitgenössischer israelischer Komponisten ein Schwerpunkt ihrer musikali-schen Arbeit – sowohl als Pianistin als auch als Referentin. Sie lebt und arbeitet in Tel Aviv.

Aus dem frühen Liedgut Ben-Haims