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Die goldene Kette 

Erez Ofer, Geige  -  Ofra Yitzhaki, Klavier - Lior Shambadal, Dirigent  -  Berliner Symphoniker

16.7.2017   18:30 - 20:30, St. Elisabeth, Konzert / 17:30 - 18:15, Studio, Konzerteinleitung

Die goldene Kette

Zum Abschluss des NEW LIFE-Festivals wird die „goldene Kette“ gereicht. Im ersten Teil des Konzerts wird dem aus Niederösterreich stammenden Komponisten Hans Gál, der in Großbritannien Zuflucht fand, und seinem Schüler Joseph Kaminski gedacht. Die Oper Die heilige Ente entstand im Jahr 1920/21, als Gál noch in Wien tätig war. Einen dramatischen Bogen widersprüchlicher Gefühle spannt das Violinkonzert Joseph Kaminskis, welches der Komponist von 1947-49 schrieb. Kaminski hatte in Europa das Warschauer Rundfunkorchester geleitet und konnte sich nur durch die Einladung von Bronislaw Huberman, dem Gründer des Palestine Orchestras, im Jahr 1937 vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten retten. Dem Klangkörper, der später zum Israeli Philharmonic Orchestra werden sollte, blieb Kaminski bis zu seinem Tod im Jahr 1969 treu. Im namensgebenden Orchesterstück des Abends verbindet Komponist Alexander Uriah Boskovich, der sich ebenfalls durch die Aufführung seines Werks durch das Palestine Orchestra retten konnte, jüdisch-chassidische Lieder aus den Karpaten zu einem melodiösen Gesamtkunstwerk. 1937 kam Boskovich aus Rumänien, um seine „Kette“ gesammelter jüdischer Melodien zu dirigieren, und blieb im Nahen Osten, entzückt und fasziniert von der „mittelmeerischen“ und arabischen Musik, die seine Musiksprache von da an beeinflussen sollten. Joseph Tals früh-modernes erstes Klavierkonzert von 1945 wird an diesem Abend Deutschlandpremiere feiern. Tal, der schon 1934 mit Frau und Sohn nach Palästina emigriert war, schrieb später auch elektronische Musik. Aufgeführt wurde das Konzert mit dem breiten symphonischen Klangteppich und den ebenso minimalistischen wie melodiös-virtuosen Klavierpassagen bisher nur ein einziges Mal im Jahr 1946, und zwar mit Tal persönlich am Klavier. Die Pianistin Ofra Yitzhaki und der Violinist Erez Ofer – beides Musiker, die sich dem Entdecken und Aufnehmen vergessener „Schätze“ jüdisch geprägter klassischer Musik verschrieben haben – spielen mit den Berliner Symphonikern unter der Leitung von Lior Shambadal. 

Im Programm

Hans Gál (1890–1987)
Die heilige Ente, Ouvertüre

Josef Kaminski (1903–1972) Violinkonzert

• Moderato

  • Andante tranquillo

  • Rondo nale

  • PAUSE

Josef Tal (1910–2008)
Klavierkonzert No. 1 – Deutsche Erstaufführung

• Risoluto
• Scherzo allegro – Trio Tranquillo – Scherzo da capo     • Lento
• Con brio

Alexander Uriah Boskovich (1907–1964) „Die goldene Kette“

• Lullaby
• „Hatzkele“ Scherzino • The Eternal Enigma • And Moses rejoiced • Deep in the Woods
• Yame Yame
• And Purify our Hearts 

Erez Ofer


Der in Tel Aviv geborene Geiger Erez Ofer ist seit 2002 erster Konzertmeister des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Er ist Gewinner mehrerer wichtiger Wettbewerbe: 1. Preis beim ARD-Wettbewerb in München, Goldmedaille beim Zino-Francescatti-Wettbewerb in Frankreich, 1. Preis beim Israelischen Rundfunk-Wettbewerb, Silbermedaille beim weltberühmten Königin-Elisabeth-Wettbewerb in Belgien und Paganini-Preisträger an der Universität von Indiana sowie Preisträger beim Tibor-Varga-Wettbewerb. Trotz seines Engagements als Orchestermusiker, bleibt Erez Ofer weiterhin ein aktiver Solist und Kammermusiker. Als Solist verpflichteten ihn u.a. das Philadelphia Orchestra, das Israel Philharmonic, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Belgische Nationalorchester, das Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo und die Jerusalem Symphony. Zwischen 1993 und 1998 war Erez Ofer Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks unter Lorin Maazel und des Philadelphia Orchestra unter Wolfgang Sawallisch. Erez Ofer spielt eine Violine von Domenico Montagnana aus dem Jahre 1729.

Ofra Yitzhaki 

 

Das New York Magazine beschrieb sie als „sensationell“, der Tagesspiegel als „körperlich, sinnlich, ekstatisch“: Die in Israel geborene Ofra Yitzhaki studierte an der Jerusalem Musik Akademie und erhielt ein Vladimir Horowitz-Stipendium an der renommierten Juilliard School in New York. 2006 promovierte sie über das Thema Israelische Klaviermusik in historischer Perspektive. Yitzhaki gastiert mit einem Repertoire, das von Bach und seinen Zeitgenossen bis zu den Komponisten ihrer eigenen Generation reicht, auf allen großen Bühnen der Konzertwelt – u.a. beim Klavierfestival Ruhr, in der Carnegie Hall, im Lincoln Center, dem Chicago Cultural Center und der National Theater and Concert Hall Taiwan. Bis heute sind jedoch Werke zeitgenössischer israelischer Komponisten ein Schwerpunkt ihrer musikalischen Arbeit – sowohl als Pianistin als auch als Referentin. Sie lebt und arbeitet in Tel Aviv.

Lior Shambadal 

Lior Shambadal ist seit 1997 Chefdirigent der Berliner Symphoniker.1950 in Tel Aviv geboren, studierte er in seiner Heimatstadt Bratsche, Posaune, Komposition und Dirigieren. Sein Studium führte ihn an das Mozarteum Salzburg zu Carles Melles sowie nach Wien zu Hans Swarowsky und zu Dirigierstudien bei Carlo Maria Giulini, Igor Markevitch, Sergiu Celibidache und Franco Ferrara. In Wien erweiterte er auch seine Kenntnisse im Bereich der elektronischen Musik, in Frankreich studierte er Komposition bei Witold Lutoslawski. Eine umfangreiche Konzerttätigkeit verbindet Shambadal seitdem mit Orchestern weltweit, unter anderem als Chefdirigent des Haifa Symphonie-Orchesters, als Generalmusikdirektor des Pfalztheaters Kaiserslautern, als Chefdirigent des Orquesta Filarmónica de Bogotá in Kolumbien und als Gastdirigent in der chinesischen Provinz Sichuan beim Chengdu Symphonieorchester. Er sitzt zudem im künstlerischen Komitee des Festivals von San Gemini in Italien. Sein Opern-Repertoire umfasst über 40 Werke der deutschen, italienischen, französischen, russischen und englischen Literatur. Als Gründer des Ensembles der Komponistengruppe Acustic 7/11 und des Ensembles für Neue Music – Musica Nova – ist er auch als Komponist auf verschiedenen Gebieten, von der Kammermusik über Liedkompositionen bis zu symphonischen Werken, hervorgetreten.

Berliner Symphoniker 

Die Berliner Symphoniker haben weit über ihre Heimatstadt hinaus Popularität und Ansehen erlangt und sind als musikalische Botschafter für Berlin tätig. In eigenen Abonnementkonzerten präsentieren sie ein klassisches, weitgefächertes Programmangebot an Sonntagnachmittagen in der Berliner Philharmonie. Schon seit der Gründung des Orchesters liegt ein besonderer Schwerpunkt in der Vermittlung von klassischer Musik für Kinder und Jugendliche. Die Berliner Symphoniker gastieren außerdem weltweit und sind ein gern gesehener Partner bei internationalen Festivals, zum Beispiel beim Jerusalem Festival, wo ihre szenische Aufführung von Magret Wolfs „Refidim Junction“ im Jahr 2015 zum großen Erfolg wurde. Das Orchester geht zudem regelmäßig auf Tournee nach Asien: Im Sommer 2016 gaben die Berliner Symphoniker im Rahmen ihrer achten Tournee durch Japan 14 Konzerte; in diesem Jahr sind sie auf Konzertreise durch China und Taiwan. Galakonzerte mit Luciano Pavarotti, die Arbeit mit nationalen und internationalen Chören sowie CD-Einspielungen und Fernsehaufzeichnungen runden die erfolgreiche Arbeit der Berliner Symphoniker ab.