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Living Music
Mirage Quartett

15.7.2017 14.00-14.30 Foyer, Teaser /15:30 –17:00 Saal, Kammerkonzert + Künstlergespräch

Mirage Quartett

Die Musiker des Mirage Quartetts verbindet eine langjährige und intensive musikalische Freundschaft. Neben der klassischen Quartettliteratur Haydns, Beethovens und Dvořáks, sind Komponisten Südamerikas wie Alberto Ginastera, Astor Piazzolla, Gustavo Beytelmann, José Bragato Kern eines Repertoires, das den Klang des Quartetts prägt, und in besonderer Weise auszeichnet. Konzerte in viele europäischen Länder, in Nord - und Südamerika, in Japan, China und Korea sind Ausdruck einer breiten und internationalen Wertschätzung der harmonischen Formation.

Juan Lucas Aisemberg (Bratsche) wurde 1967 als Kind argentinischer Eltern im Exil in Budapest geboren und wuchs in Italien auf. Er studierte in Rom unter Lina Pettinelli, in Gstaad (Schweiz) an der „International Menuhin Music Academy“ unter Alberto Lysy, in Berlin an der Hochschule der Künste unter Bruno Giuranna und in Köln an der Hochschule für Musik mit dem Amadeus Quartett. Als Mitglied der Camerata Lysy trat er bei den wichtigsten internationalen Musikfestivals weltweit auf, sowohl solistisch als auch in Kammermusikensemblen, und begegnete Musikern wie Yehudi Menuhin, Antal Dorati, Aurèle Nicolet, Peter-Lukas Graf, Radu Aldulescu, Ana Chumachenco. Seit 1993 ist er Bratschist im Orchester der Deutschen Oper Berlin, spielt regelmäßig in diversen kammermusikalischen Ensemblen und ist Mitgründer von NoviTangoX4, einer Gruppe, die sich hauptsächlich dem Tango und der argentinischen Musik widmet. Er arbeitete mit Künstlern wie Daniel Hope, Lina Sastri, Richard Galliano, Maximiliano Guerra und Gustavo Beytelmann.

Chié Peters (Violine), geboren in den Niederlanden, studierte in Utrecht bei Keiko Wataya, Charles-André Linale und Alexander Kerr, und in Berlin bei Eberhard Feltz. Seit 2004 ist sie Mitglied des Orchesters der Deutschen Oper Berlin.

Ehrengard von Gemmingen erhielt ihre Ausbildung an der Universität der Künste bei Prof. Wolfgang Boettcher, beim Amadeus Quartett an der Royal Academy of Music in London und als Leverhulme Fellow beim Tokyo String Quartet an der School of Music der Yale University (USA). Ihre Orchestererfahrung ist sehr vielfältig: Sie spielte in London mit den Royal Academy Soloists und der London Sinfonia und war Mitglied des European Chamber Ensembles in London. Sie konzertiert regelmäßig mit dem European Community Chamber Orchestra und ist Gründungsmitglied des Ensemble Incendo Berlins.

Chie Peters, Violine - Hannes Metze, Violine - Juan Lucas Aisemberg, Viola  - Ehrengard von Gemmingen, Violoncello

Im Programm

Kammerkonzert und Künstlergespräch                                                                                                                               „Wo nie der Quell des Glücks versiegt...“
 

Paul Ben-Haim (1897–1984) Streichquartett Nr. 1 Op. 21 (1937)

  • Con moto sereno

  • Molto vivace

  • Largo e molto sostenuto

  • Rondo

  • Finale: allegro comodo

Leo Smit (1894–1942)
Streichquartett (1939–40, unvollendet)

• Scherzo

Erwin Schulhoff (1894–1942) Streichquartett Nr. 1 (1924)

• Presto con fuoco
• Allegretto con moto
• Allegro giocoso alla Slovacca • Andante molto sostenuto

Gustavo Beytelmann (*1945) Les Noces de Cana (2001)
3 Visionen für Streichquartett

Kurt Weill (1900 –1950)
2 Lieder für Streichquartett (Arr. J. L. Aisemberg)

• „Ballade du Souteneur“ (1928) • „Youkali“ (1935) 

Living Music

 

Musik kann nicht nur inspirierend wirken, sondern erzählt bekanntermaßen auch etwas über den Komponisten, der sie schreibt, sowie über Traditionen und geschichtliche Entwicklungen. Überall auf der Welt schlummern grandiose musikalische Werke, die ihre Erschaffer und Szenarien wie Krieg und Flucht überlebt haben, und nun geradezu darauf warten, „wiederentdeckt“ zu werden. Das Mirage Quartett widmet sich im Konzert „Living Music“ der Wiederbelebung einiger dieser berührenden Stücke: Der aus München stammende Komponist Paul Ben-Haim konnte sich 1933 rechtzeitig vor den Nationalsozialisten nach Palästina in Sicherheit bringen, wo er zu einem Vorreiter der Entwicklung einer nationalen Musiksprache Israels wurde; Erwin Schulhoff, den jungen Leo Smit und viele mehr erwartete ein ganz anderes Schicksal. Dabei hört man der lebendig-tänzerischen Rhythmik in Smits unvollendetem Streichquartett die unmittelbare Bedrohung des Komponisten nicht an. 
Durch die Erinnerung und die Musik sind Überlebende und Opfer bis heute eng verbunden. Da das Erlebte und das Gedächtnis als Brücke in die Gegenwart fungieren können, wird auch Musik von Gustavo Beytelmann von 2001 erklingen, der dem Quartett eng verbunden ist. Beytelmann flüchtete 1976 aus Argentinien vor der dortigen Militärdiktatur, die viele Parallelen zum Dritten Reich aufwies und tausende Menschenleben forderte. Er verließ zwar sein Heimatland, aber die Lebenskraft seiner argentinischen Musiksprache ist lebendiger denn je. In Paris entwickelte er seinen Stil als Pianist und Komponist weiter: Er ging mit Astor Piazolla auf Europatournee, tat sich mit anderen argentinischen Musikern im Exil in Europa zusammen, und belebt seitdem den Tango in Europa, und nun auch wieder in Argentinien.